Merkel, Putin und noch mehr
Nachdem wir bereits am Dienstag zur Eröffnung des Pressezentrums in Kühlungsborn gewesen waren, dachten wir uns, der Freitag mit den geplanten Pressekonferenzen würde sich auch gut als Besuchstag eignen. Nun stellte sich aber noch das Problem, bekommen wir mit unserer Akkreditierung überhaupt Einlass zur Pressekonferenz? Dass ließ sich aber mit einem Telefonat am Donnerstag Abend bestätigen.
Also gesagt getan, Freitag morgen um gefühlte 05:00 Uhr hieß es: „Auf nach Kühlungsborn“. Freundlicherweise waren die Demonstranten ja mit Abbauen beschäftigt und auf dem Weg nach Rostock zur Abschlusskundgebung, sodass wir keinerlei Kontakt mit Demonstranten oder Polizeisperren bis Kühlungsborn hatten.
Vor Ort stellte sich erstmal die Frage, die alle Autofahrer bei Erreichen eines Zieles heimsucht: Wo bleibt man mit dem Auto? Westseitig vom Pressezentrum konnte man „Parken” als solches total vergessen, entweder hätte man sich ins Halteverbot stellen können oder aber alternativ auf einen Parkplatz mit Höchstparkzeit 3 Stunden und 3 € á 3 Stunden. Beides stellte für uns keine denkbare Option dar, also cruisten wir ein wenig durch Kühlungsborn. Ein Gedankenblitz führte uns dann in einem weiten Bogen um das Pressezentrum samt Morada Hotel herum und wir fanden uns auf der Ostseite wieder. Dort, wo ein Parkplatz „Yachthafen“ gewesen wäre, hatte die Polizei Stellung bezogen. Auf einem großen Schuttplatz, eigentlich ideal zum Parken, verwehrte uns der Aufbau des ZDF-Sendedorfes ebendieses. Doch wir gaben nicht auf und fuhren am ZDF-Dorf vorbei und fanden tatsächlich noch diverse freie Stellplätze auf einem Seitenstreifen direkt in Hafen- und Pressezentrumsnähe (geschätzte 2 Minuten zu Fuß). Da hier keinerlei Halteverbotsschilder aufgestellt waren, gesellten wir uns zwischen zwei ZDF-Fahrzeuge.
Jetzt lagen wir schon 15 Minuten hinter unserem Zeitplan…aber wir hatten einen kostenlosen unbegrenzten Parkplatz. Also nichts wie los zum Pressezentrum. Was uns gleich beim Betreten des Geländes auffiel, waren die laxen Sicherheitsvorkehrungen für die Journalisten aus dieser Richtung. Da wohl primär nur mit ZDF-Mitarbeitern gerechnet wurde, waren an diesem Hintereingang nur zwei Securitypersonen stationiert, welche kontrollierten, ob wir im Besitz eines Presseausweises waren. Keine Gepäckdurchleuchtung wie auf der Eingangsseite des IMC (International Media Center). Die Zelte auf dem Grünstreifen zwischen IMC und Strand waren schon abgebaut, lediglich der Pavillion “Germany - Land of Ideas” stand noch. Vor diesem waren hunderte Windmühlen in den Deutschlandfarben im Boden positioniert, was durch ein leichtes Lüftchen einen sehr schönen Anblick bot. Im IMC informierten wir uns, wie der genaue Ablauf mit den Pressekonferenzen sei und wir erfuhren, dass wir uns etwa eineinhalb Stunden vor Beginn (15:00 Deutschland) bei dem Bahnhof der Molli am IMC einfinden sollten, da die Sicherheitschecks ein wenig dauern könnten. Nach einem Blick auf den Fahrplan entschieden wir uns, sicherheitshalber schon um 13:00 Uhr aufzubrechen, um auch garantiert nicht zu spät zu kommen. Mittlerweile war es halb zwölf, Zeit also für das leibliche Wohl zu sorgen
Nach einem reichhaltigen Mittagsbuffet im Morada Hotel Resorts, welches wirklich von exquisiter Qualität war, drängte die Zeit und wir starteten gleich zu den Pressekonferenzen. Auf dem Weg zum Sicherheitscheck liefen wir zuerst am Zugang zum Bahnhof vorbei, da ein netter Polizeibeamter sein Auto unbedingt so geschickt vor das Hinweisschild parken musste, dass man es nicht mehr sehen konnte. Am Eingang zum Sicherheitsbereich wurde dann ein kurzer Blick auf unsere Akkreditierungen geworfen und uns dann Eingang zur Sicherheitskontrolle in einem Leichtbauzelt gewährt.
Dort mussten wir durch zwei gegenüber stehende Säulen, wie man sie auch aus dem Kaufhaus beim Ausgang kennt, schreiten. Auf dem Bildschirm an der linken Seite erschien dann das jeweilige Bild zu der durchgegangenen Person sowie weitere persönliche Daten (Name, Geburtsort, Personalausweisnummer, …). Das hat den Hintergrund, dass in die Akkreditierungskarten ein RFID-Chip integriert ist, auf dem die persönlichen Daten und das Bild gespeichert sind. Anschließend gab es dann noch die üblichen Sicherheitskontrollen, mit Durchgang durch den Metalldetektor und Durchleuchten des Gepäcks, die auch am Flughafen üblich sind. Bevor wir allerdings unsere Handys, etc. wieder einstecken konnten, wurde noch mit einem Plastikstreifen kurz über diese gewischt und der Streifen dann kurz in ein Gerät gesteckt, welches dann überprüfte, ob wir mit Sprengstoffen in Kontakt gekommen waren.
Nachdem wir die Sicherheitskontrolle überstanden hatten (man mag es kaum glauben
), kamen wir gerade noch rechtzeitig zur nächsten Abfahrt der Schmalspurbahn „Molli“ an, die uns nach Heiligendamm bringen sollte. Mit einem lauten Pfeifen setzte sie sich in Bewegung und verließ nach Öffnen des Tores den Sicherheitsbereich. Direkt nach Verlassen des Sicherheitsbereichs überfuhren wir noch einen Bahnübergang, dann begann die eigentliche Bahnstrecke, die zunächst noch von links- und rechtsseitig verlegtem Natodraht geschützt wurde. Über ca. 3 km, die ab und zu von Polizisten gesäumt wurde, nahmen wir recht rasante Geschwindigkeit auf, bis „Molli“ dann wieder langsamer wurde und auch der Natodraht links und rechts wieder erschien. Von weitem konnten wir jetzt die „Technische Sperre“ (wie sie von der Polizei genannt wird, umgangssprachlich häufig als „Zaun“ bezeichnet) erkennen. Als wir uns dieser Sperre immer weiter näherten, war hinter dem Zaun auf der linken Seite bereits ein Panzer mit Tarnnetz zu erkennen, der uns dann mit zwei Kollegen auf der nächtlichen Rückfahrt auf der Autobahn begegnete und wir erkennen konnten, dass er eine Kamera auf dem Dach trug. Sowohl auf der rechten als auch auf der linken Seite des Zaunes waren diverse Überwachungskameras und Scheinwerfer am Zaun montiert. Direkt nachdem der Zug vollständig in die „Grüne Zone“ eingefahren war, wurde das Tor des Zaunes wieder geschlossen, damit ja kein Fuchs und keine Maus und schon gar nicht ein Demonstrant in die Sperrzone eindringen konnten. Die weitere Fahrt führte uns hauptsächlich durch den Wald, in dem man immer wieder Polizeibeamte erblicken konnte. Kurz vor dem Zielbahnhof in der inneren Zone, der „Blauen Zone“, überfuhren wir noch einmal einen Bahnübergang, welcher das Briefingcenter, in dem die Pressekonferenzen stattfanden, mit der Hotelanlage des Kempinski Grand Hotel verband. Dann hieß es Aussteigen und ab in Richtung Briefingcenter. Kurz vor Betreten des Geländes um das Briefingcenter wurden noch einmal unsere Akkreditierungen überprüft.
Aufgrund dessen, dass wir uns in der inneren Sicherheitszone befanden, waren nun auch kaum noch Polizisten in Uniform zu sehen, sondern fast ausschließlich Beamte vom BKA sowie LKA. Nach kurzer Information am Counter zur Einlasszeit in den Raum für die Pressekonferenz besorgten wir uns erstmal etwas zu Trinken. Mit den Getränken, welche in Plastikbecher gefüllt waren, damit keiner einen der Staatsmänner oder gar die Staatsfrau verletzen konnte, setzten wir uns in den Schatten und warteten auf den Einlass zu Pressekonferenz.
Als es dann endlich soweit war, betraten wir den Briefingraum Nummer 1, der bislang noch recht wenig gefüllt war, sodass wir in der 5. Reihe eine zentrale Position mit bestem Blick auf die „Chefin“ fanden. Was uns während der Wartezeit sehr belustigte, war das ewige hin und her Geschiebe der Fotographen von Glas und Wasserflasche der Kanzlerin um das einzige perfekte Bild zu machen. Doch offensichtlich haben sie sich keine Gedanken darüber gemacht, dass Frau Dr. Merkel sich das Glas heranziehen und es mit Wasser füllen würde, sobald sie Platz genommen hatte.
Mit Betreten des Raums von Dr. Merkel, begann ein unvorstellbares Blitzlichtgewitter, was sich immer dann wiederholte, wenn sie damit begann, während ihrer Rede irgendwelche Gesten zu machen. Während der Pressekonferenz gab es keine weiter zu erwähnenden Dinge, mit Ausnahme davon, dass ein Journalist wahrscheinlich vor Aufregung in seiner Frage behauptete, dass Israel vom Iran zerstört worden sei. Diese Behauptung ließ sich dann aber durch Merkels Pressesprecher Wilhelm klären. Nach Abschluss der Pressekonferenz verließen wir den Raum wieder, warfen noch einen kurzen Blick in die Pressekonferenz von Nicolas Sarkozy und sahen dann, dass die Pressekonferenz von Wladimir Putin noch nicht begonnen hatte, sodass wir beschlossen, uns dieses Event nicht entgehen zu lassen. Was sich später auch als richtig herausstellte, denn während der Pressekonferenz stand plötzlich ein junger Mann aus Russland von den National-Bolschewiken auf und warf ein Stapel Flugblätter in die Luft, während er irgendwas auf Russisch rief. Putin reagierte darauf, indem er auf Deutsch sagte, sie (die Sicherheitskräfte) sollten den Mann sprechen lassen, dass sei sein demokratisches Recht. Weiter sagte er, der Aktivist solle sich hinsetzen und ihm ermöglichen, bezugnehmend auf diese Aktion zu reagieren. Putin fragte noch, ob ihm das demokratisch genug sei. Auf dem Zettel stellte die Gruppe der National-Bolschewiken die These auf, dass in Russland eine Diktatur regiere und die Staatsform mittlerweile als Tyrannei zu bezeichnen wäre.
Nachdem Putin den Raum verlassen hatte und die Pressekonferenz offiziell beendet war, stürzten sich alle auf den jungen Russen, um diesen zu fotografieren und zu interviewen. Beim Herausgehen bekamen wir noch mit, wie bereits mehrere Sicherheitskräfte besprachen wie sie weiter mit ihm verfahren sollten, doch wir konnten da schlecht stehen bleiben, also verließen wir das Briefingcenter und machten uns mit „Molli“ auf den Rückweg nach Kühlungsborn.
Dort angekommen sorgten wir erstmal im Pressezentrum dafür, dass auch unsere Bilder sofort bei flickr abrufbar waren, in dem wir diese ins Internet übertrugen. Torben machte sich noch auf, Bono zu verfolgen, während ich auf das Ende des Uploads wartete.
Nach einem wiederum sehr köstlichen Pressedinner kehrten wir ins IMC zurück und erfuhren, dass dieses um spätestens 24:00 geschlossen wurde. Die Arbeitsbereiche waren mittlerweile menschenleer und gesäubert worden.Im Erdgeschoß feierten noch viele Journalisten ausgiebig (es wird nicht verschwiegen, dass der ein oder andere Bierkasten geleert wurde) und wir begaben uns an den Pressestrand, wo wir aus einem Strandkorb den herrlichen Sonnenuntergang über der Seebrücke genossen. Gegen elf Uhr verließen wir dann das IMC, besuchten noch kurz den Hafen und fuhren anschließend nach Hause zurück.
Weitere Bilder findet ihr hier in unserer myone flickr-G8-Collection.
Autoren: Torben Westphal & Tim-Benjamin Lembcke



anonymous
23. August 2007 | 13:34 UhrIch wär für einen Artikel von Georg