Möbel - So fröhlich wie Ihr Kind.

stuhl.jpg40 Tonnen rollen auf den Hof. 100 Kinder entladen den LKW. Und 700 Schüler leiden drunter. Was ist los? Einige werden es mitbekommen haben: Jeder freie Quadratzentimenter der Schule steht momentan voll mit dem fröhlich-hellblauen Kindergartenmobiliar.

Diese neuen Tische und Stühle halten seit einigen Monaten nach und nach bei uns Einzug und nach den Sexta-Räumen in Flügel 2 scheint jetzt das ganze Gebäude damit versorgt zu werden. Wer versucht ein, bei uns an der Schule übliches, DIN A4 Heft und ein Buch gleichzeitig auf seiner Tischhälfte unterzubringen, stellt fest: Es geht einfach nicht. Heft und Buch müssen übereinander liegen und ständig ausgetauscht werden. Steht Erdkunde auf dem Stundenplan kommt noch die dritte Ebene dazu, die Atlasebene. Soweit kommt man jedoch mitunter gar nicht, denn mit dem normalen Körperbau eines Mittelstüflers hat man sich spätestens beim ersten unaufmerksamen Versuch, am neuen Tisch Platz zu nehmen, die Kniescheibe verrückt - der Doppelverstrebung unterm Tisch sei Dank.
Etwas tolles haben die Tische jedoch: Dieser kleine Haken, außen am Tisch. Was soll man denn da anhängen, wenn gleich daneben der nächste Tisch steht? ‘n Schminktäschchen? Ohrringe? Ne Schultasche werd ich da sicher nicht los.


Gleiches Spiel mit den Stühlen: neuerdings mit Holzsitzfläche. Profiproduzent Hellblau & Co KG nimmt Sperrholz Qualitätsstufe B, sägt es an den Kanten ab und nietet das ganze auf den Stuhl. Entgraten ist im ostdeutschen (der Dialekt des LKW-Fahrers klang schon fast gestellt) Qualitätsbetrieb offenbar noch ein Fremdwort. Schön schräg angeschnitten am vorderen Ende der Sitzfläche - da fällt der Stuhl einmal vorne über, schon bricht was raus und Otto Normalschüler hat am nächsten Tag Splitter in seiner Designerhose. Ein Manko - in meinen Augen ein Manko, von Produzent und Pädagogen sicher beabsichtigt - ist auch der Ausleger des Bein-Gestänges nach hinten. Kippeln mit diesen Stühlen erfordert schon einiges an Muskelkraft und Geschick. Sicher ist Kippeln nicht erwünscht, aber meiner Erfahrung nach - und ich denke ich finde vielfach Bestätigung - fällt das aufpassen in unbequemer Sitzhaltung noch schwerer. Wer bequemer sitzt, lernt auch mehr - meine Devise.

Alle nur weil diese Firma Platz 1 bei dieser Googlesuche ist?

Im letzten Jahrtausend, vor etwa neun Jahren, als ich an die Schule kam, gab es Tische da konnte man zwei Hefte hintereinander legen und hatte noch Platz für ein kleines Buch und das alles auf einer Tischhälfte.

Eine kleine Anekdote noch: Auf Nachfrage bei Herrn Warner, ob wir nicht die gepolsterten Stühle, die sich oben im Foyer bei den Computern finden, in alle Klassenräume bekommen könnten, erfuhr ich: Ginge es nach Herrn Warner, wäre das schon lange so, kosten diese schließlich nur halb so viel, wie die braunen. Allerdings haben die Gepolsterten ein Manko: Sie sind nicht - wie vom TÜV gefordert - wurffest. Und das ist jetzt rational?

RSS Trackback URL 7. Februar 2007 (21:18)
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4 Kommentare»

  1. Julia

    7. Februar 2007 | 21:36 Uhr

    Diese Tische sind optisch zwar schöner, als die alten. Und vor allem hygienischer (wenigstens jetzt noch). Aber praktisch ist was anderes, wer kann denn an so einem schmalen Tisch arbeiten????

  2. lps

    7. Februar 2007 | 23:27 Uhr

    die ganz alten diese riesen grünen im pavillion sind eh geiler, und dann diese orangen holzstühle, würd mir schon reichen…
    sitzhöhe ok, kippeleffekt, ok, lehne, beqeuem, tisch groß genug…

  3. tbw

    8. Februar 2007 | 09:45 Uhr

    Wurffest sollen die Stühle sein? Also bitte, wer wirft denn hier mit den Stühle durch die Gegend. An der Rütli-Schule könnte ich das ja verstehen, wobei ich bezweifle, dass die Stühle, wenn man damit wirklich wirft, überhaupt wurffest sind, denn wie Colli schon sagt, alleine beim Umfallen splittert schon die Kante ab, was sollen denn dann erst beim Werfen passieren;-) .

  4. ncc

    16. Februar 2007 | 14:47 Uhr

    Und schon wieder stehen neue im Flur:(

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